Entwicklung einer Anwendung als Erweiterung des Produktkatalogs für B2B – auf dem Weg zu einer Produkt-Suite

Überblick
Rahmen
MVP für die Erstellung von Energiepotenzialanalysen und Batteriesimulationen als Produkterweiterung eines bestehenden B2B Dienstleisters.
Zeitrahmen
ca. 6 Monate
Team
Crossfunktionales Team aus 2 Designern, Product Owner, Frontend- und Backend-Developer
Ausgangslage & Ziel
Für die Einschätzung von Einsparpotenzialen von Industriekunden muss Fachpersonal mühsam über mehrere Programme hinweg eine Analyse berechnen und erstellen. Dieser Prozess soll mithilfe eines einzelnen Tools, das einfach genug für fachfremde Mitarbeitende ist, automatisiert werden.
Ergebnis
Bekannte Standortarten können von Salespersonal mithilfe des Tools selbst berechnet und Kunden präsentiert werden. Das Fachpersonal hat wieder freie Ressourcen für die Übernahme von komplizierteren Fällen.
Ausarbeitung eines neuen Produkts

Für das Hauptprodukt, die Energieoptimierung von Industriekunden mit Energiemanagement Platform, soll ein weiteres Produkt als Beginn einer Produktsuite entwickelt werden.
Für ein großes Unterfangen wie ein gesamtes neues Produkt in einer bestehenden Produktpalette ist ein strukturiertes Vorgehen unerlässlich, um etwas zu kreieren, dass sowohl wünschenswert für Kunden (desirable), technisch umsetzbar (feasible) und dabei rentabel für das Unternehmen ist (viable).
Ausgangslage & Problem

Eine Potenzialanalyse ist eine Szenarienanalyse für Industriestandorte um ihre Flexibilitäten zur Energieoptimierung zu identifizieren. Als einer der ersten Schritte zur Kundenaquise ist die Analyse essenziell. Das aktuelle Vorgehen ist die mühsame, händische Berechnung mit Excel und der anschließenden Aufbereitung als PDF und Präsentation. Es wird dafür entsprechendes Fachpersonal benötigt und so ist die Lösung derzeit schlecht skalierbar, womit potenzielle Kunden auf der Strecke bleiben können.
Problematik hinsichtlich der Lösung an sich sind die immensen Unterschiede zwischen Industriestandorten, sodass eine one-size-fits-all Lösung vrsl. unmöglich erscheint.
Einschätzung der Chancen

Die Lösung würde einerseits die schnellere und reproduzierbare Erledigung der Analysen ermöglichen und damit Kapazitäten des Fachpersonals schaffen. Andererseits könnten damit auch weniger technisch versierte Sales Mitarbeitende selbst standardmäßige Analysen übernehmen.
Es sind alle potenziellen Kunden betroffen, da es sich um einen Schritt handelt, der bei jeder Kundengewinnung anfällt.
Ohne das neue Produkt würden viele Kundenpotenziale nicht eingeschätzt werden können, weil aktuell Ressourcen fehlen um alle notwendigen Analysen durchführen zu können. Potenzielle Kunden könnten zu Konkurrenten abwandern.
Verständnis über das Thema aufbauen

Zum Verständnis der Herausforderung und ersten Anforderungen wurden alle Mitarbeitenden befragt, die im aktuellen Prozess Potenzialanalysen und Batteriesimulationen durchführen um ihre Bedürfnisse und aktuellen Probleme besser zu verstehen.
Konkurrenzprodukte lieferten Einblicke in Möglichkeiten des Produktaufbaus. Alle relevanten Informationen wurden in einer User Story Map aufbereitet und ein möglicher MVP Scope definiert:
- Berechnung von Standard Fällen aus Basis von Standort-Lastprofilen
- Whitelabel Variante für Partner
Geplante Extensionen:
- Batteriesimulation
- Einbezug von Asset-Flexibilitäten
- Übersicht & Organisation von Analysen
- Analysen-Exporte
User Storys und Hypothesen definieren

Als Salesmitarbeiter
möchte ich alleine schnell und einfach Potenzialanalysen erstellen,
um Kundenpotenziale schnell einschätzen zu können.
Validierung mithilfe von Prototyping


Aus allen gesammelten Informationen ergab sich ein recht detaillierter Prototyp, der mit den den Usern getestet wurde. Dabei wurden Erkenntnisse priorisiert und zu konkreten Jobs-to-done formuliert. Kleine Änderungen wurden direkt eingeplant und größere Verbesserungen auf die Roadmap geordnet.
Screen Designs & Iterations


Insgesamt bestand die Lösung aus zwei Teilen: der Eingabeprozess, bei dem über Formulare und Datenupload alle nötigen Informationen zur Berechnung des Potenzials aufgenommen werden; und der Ergebnisdarstellung der fertigen Berechnung. Ein Prototyp wurde auf Basis der Anforderungen und unter Anbetracht des MVP Scopes designed und mit den Usern validiert. Erste Verbesserungsvorschläge wurden priorisiert und zeitlich eingeordnet.
Multi-Step Input Flow
Aufgrund der hohen Komplexität und diverser Abhängigkeiten wurde sich für den Eingabeprozess für ein Multi-Step Flow entschieden. User werden so weniger überfordert und können Schritt für Schritt Informationen bereitstellen.

Analyseergebnis
Aus den komplexen Anforderungen ergaben sich sechs verschiedene Szenarien, die unterschiedliche Analyse-Seiten erfordern. Gemein haben sie eine Gesamtübersicht der Einsparungen, Einblicke in den Status Quo und detaillierte Berechnungsgrundlagen zur Vertrauenssteigerung.

In weiteren Tests wurden die Salesmitarbeitenden gebeten mit dem MVP eine Potenzialanalyse anzufertigen. Dabei wurden sie bewusst nicht geleitet, um kritische Usability Probleme zu erkennen.
Das Team arbeitete mehrere Wochen in einer Beta Phase mit der Anwendung und so konnte bereits mit dem MVP Arbeitslast reduziert werden.
Ergebnis & Erkenntnisse
Das MVP ermöglicht es dem Sales-Team, Potenzialanalysen für bekannte Standorttypen eigenständig zu erstellen und Kunden zu präsentieren. Gleichzeitig wird Fachpersonal entlastet und kann sich auf komplexere Fälle konzentrieren. Es wurde damit eine gute Basis für künftige Erweiterungen gelegt, um in Zukunft diverse weitere Fälle zu automatisieren.
Eine wichtige Erkenntnis war, dass Komplexität eine klare Nutzerführung benötigt. Die unterschiedlichen Anforderungen und Abhängigkeiten der Analysen machten einen strukturierte Eingabe-Flow und eine verständliche Ergebnisdarstellung essenziell. Nutzertests halfen dabei, Verbesserungspotenziale zu identifizieren und die Weiterentwicklung gezielt zu priorisieren.
